Vogel: Verhalten und Probleme.

Allgemeines
Vögel sind spezialisierte Wirbeltiere. Sie tragen als einzige ein Kleid aus hornigen Federn. Während lange Schwungfedern und Konturfedern dem Fliegen und einer stromlinienförmigen Gestalt dienen, sorgen die kürzeren Deck- und Daunenfedern für einen wirksamen Kälteschutz. Dieser ist umso wichtiger, als Vögel eine hohe Körpertemperatur von ca. 41° C aufweisen.

Ein Blick durch die Lupe zeigt, dass die Fahnen einer Feder aus vielen Federästen und untereinander verhakten Federstrahlen bestehen. So entstehen die Tragflächen.

In der sog. Mauser erneuern Vögel jedes Jahr ihre Federn. Schnäbel und Füsse sind sehr verschiedenartig und den jeweiligen Lebensräumen und Fressgewohnheiten angepasst. Kot und Harn werden durch ein- und dieselbe Öffnung (Kloake) ausgeschieden.

Sozialverhalten
Die meisten Käfigvögel brauchen unbedingt einen oder mehrere Artgenossen, weil sie in freier Natur in Schwärmen leben. Dazu kommt, dass sie sich gegenseitig häufig das Gefieder putzen, zur Brutzeit balzen und den brütenden Partner füttern, miteinander spielen, schwatzen und schnabulieren und sich auch mal kleine Auseinandersetzungen liefern. Bereits nach der ersten Mauser finden die Pärchen zusammen. Sie sitzen und schlafen nebeneinander, suchen den engen Körperkontakt und kraulen sich gegenseitig den Kopf an den Stellen, wo der eigene Schnabel nicht hinkommt. Es gibt Vogelarten, die fast unzertrennlich sind. Damit wird die Bedeutung der Pärchenhaltung klar.

Nein zur Einzelvogel-Haltung! Die meisten Vögel sind von Natur aus Schwarmvögel, welche an die Gesellschaft in ihrer Schar, insbesondere aber an einen gefiederten Lebenspartner gebunden sind. Einzeln gehaltene Wellensittiche und Papageien, aber auch Kanarienvögel und Finken sind selbst bei intensiver menschlicher Zuwendung unglücklich.

Verhaltensstörungen
Es gibt Papageien, welche sich die Federn ausrupfen, bis nur noch der Kopf befiedert ist. Solche Selbstzerstörungen sind meist eine Folge der sozialen Isolation und ungenügender Haltungsbedingungen. Auch Parasiten und Mangelerscheinungen können dafür verantwortlich sein. Wenn Kanarienvögel nicht mehr singen, hängt dies meist mit dem Gefiederwechsel zusammen, ist also keine Verhaltensstörung. Wenn man bedenkt, welcher unbeschränkt grosse Lebensraum den Vögeln in freier Natur zur Verfügung steht, ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass es im engen Käfig zu Verhaltensstörungen kommt. Auch bei den Vögeln kann es zu Stereotypien kommen, wie z.B. das Hin- und Herlaufen auf der Sitzstange oder sich ständig wiederholendes Schnabel putzen.

Mensch-Tier-Verständigung
Wenn man die Verhaltensweisen der Vögel richtig deuten kann, ist der erste Schritt zu einer gegenseitigen Verständigung getan. Es ist deshalb ein grosser Vorteil, wenn man sich im Vorfeld eines Kaufes über die in Aussicht genommene Vogelart schlau macht und darüber viel liest. Zwischen dem, einem Menschen besonders anhänglichen, Papagei und den eher scheuen Finken und Kanarienvögeln sind grosse Unterschiede für die Verständigung festzustellen. Wenn ein Papagei von "seinem" Menschen etwas will, dann tut er dies unmissverständlich kund. So hält er beispielsweise den Kopf in einer bestimmten Schrägstellung, wenn er gekrault werden möchte. Beim Kanarienvogel sind solche Signale kaum erkennbar.
Tiere "reden" mit ihren Artgenossen durch Körperhaltung, Schwanzstellung, Mimik, Lautäusserungen und vielem mehr. Ist der Mensch Kumpan und Artgenossenersatz, dann muss er versuchen, das grosse Defizit ein bisschen wettzumachen. Dies tut er am besten, indem er ruhig mit seinen Schützlingen spricht. Tiere sind ausserordentlich lernfähig und kapieren sehr schnell, was Worte oder Tonlagen bedeuten.

Unerwünschtes Verhalten
Wenn Vögel streiten und sich mit weit geöffneten Schnäbeln gegenseitig mit Füssen in den Bauch treten, ist dies eine normale Rangordnungsauseinandersetzung. Auch wenn der Finkenschwarm einen Neuankömmling in der ersten Zeit der Angewöhnung abweisend behandelt, liegt dies in der Norm. Wichtig ist hier, dass man die Tiere gut beobachtet, um zu vermeiden, dass der Neuankömmling vom bestehenden Schwarm zu Tode gepickt wird. Lautes Gezeter, das die Nachbarn nervt oder die Zerstörung der Wohnungseinrichtung beim Freiflug sind zu vermeiden.

Launenbarometer
Wenn Vögel erschrecken, machen sie sich normalerweise ganz schlank und die Federn liegen eng am Körper an. Dies kann man insbesondere bei Kanarienvögeln beobachten. Bei Streit und Auseinandersetzungen ist es einfach, ihre "Laune" zu erahnen. Bei Zufriedenheit ist der Vogel offensichtlich in guter Stimmung, singt, ist voller Tatendrang, plustert sich auf und pflegt sein Gefieder. Aufgeplustertes Gefieder bedeutet aber nicht immer, dass dem Vogel wohlgemut ist, denn er könnte auch krank sein. Dann würde er apathisch da sitzen. In der Zeit des Gefiederwechsels (Mauser) ist der Vogel so erschöpft, dass er meist verstummt.

Tierpsychologie
Das Kennenlernen und Deuten des Verhaltens von Vögeln ist der Schlüssel zu einem guten Tierverständnis und begünstigt psychologisch richtiges Handeln. Die Handfütterung, das ruhige Reden mit den Tieren und der Aufbau eines gegenseitigen Vertrauens ist dazu geeignet, das natürliche Fluchtverhalten ängstlicher Vögel zu überwinden.

Die artgerechte Haltung (Vögel)

Auswahl des Vogelheims
Traditionelle Rundkäfige für Vögel sind aufgrund ihrer gefälligen Optik unter Vogelhaltern noch immer verbreitet, obwohl diese Unterbringungsart für die Tiere nur schädlich ist. Der Nachteil liegt dabei nicht in der runden Form an sich, sondern in den meist viel zu geringen Abmessungen dieser Käfige (schmal und hoch), die dem Vogel nur ein stupides von Seite zu Seite laufen ermöglichen. Eine solche Form erlaubt keine vernünftige Einrichtung, so daß sich der Vogel weder orientieren noch zurückziehen kann. Vögel, die in Rundkäfigen gehalten werden, leiden häufig unter Gleichgewichtsstörungen und sind besonders schreckhaft. Rundkäfige dienen deshalb höchstens zur Zierde; für die Haltung von Vögeln sind sie denkbar ungeeignet. Die Größe des Käfigs ist natürlich auch bei anderen Käfigformen ausschlaggebend. Ein Vogelheim sollte mindestens so groß sein, daß der Vogel seine Flügel völlig ausbreiten kann, ohne mit den Federn am Gitter anzustoßen. Die Länge muß dem Vogel wenigstens einen "Dreisprung' und einige Flügelschläge ermöglichen, denn, und das scheinen viele Vogelhalter nicht zu wissen, das Fliegen ist für Vögel ein elementares Bedürfnis.

Ein kleinerer Käfig ist auch dann nicht tolerierbar wenn der Vogel regelmäßig die Möglichkeit zum Freiflug erhält. Und der tägliche Ausflug im Zimmer ist ein unbedingtes Muß für unseren gefiederten Freund.
Achten Sie beim Käfigkauf auch auf die Verdrahtung: Bei Sittichen und Papageien müssen die Gitterstäbe mindestens an zwei Seiten quer verlaufen, damit die Vögel ihrer Veranlagung entsprechend klettern können.

Geselligkeit
Die meisten unserer Ziervögel sind ausgesprochen gesellige Tiere, die in ihrer natürlichen Umgebung im Schwarm, wie die Wellensittiche, oder mit einem festen Partner leben, wie z.B. die Zwergpapageien, die deswegen auch "Unzertrennliche" genannt werden. Es wäre falsch zu glauben, daß sich dieses Bedürfnis nach einem Artgenossen durch die Nachzucht in unserem Land geändert hätte. Wer sich nicht mindestens 2 bis 3 Stunden am Tag intensiv mit seinem Vogel beschäftigt (und in der übrigen Zeit für seine Unterhaltung sorgt!), sollte sich wenigstens ein Paar halten. Die Einzelhaltung dieser geselligen Tiere kann keinesfalls als artgerecht bezeichnet werden. Fehlende soziale Kontakte und Vereinsamung führen bei vielen Vögeln zu Verhaltensstörungen wie dem bekannten Federrupfen und anderen Selbstverstümmelungen.
Man sollte sich einmal ehrlich fragen, ob die Fingerzahmheit eines Wellensittichs oder die Imitationskünste eines Papageis die lebenslange "Einzelhaft" rechtfertigt, die den Vögeln oft aus reinem Egoismus des Menschen aufgezwungen wird.

 

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