Nemo als Weihnachtsgeschenk?
von Dr. Rolf Spangenberg
Im Zeichentrickfilm "Findet Nemo!" wird eine einfache Geschichte erzählt: Ein junger Korallenfisch übersteht verschiedene unglaubliche Abenteuer, landet sogar in einem Aquarium, rettet sich schließlich aber wieder zu seinem glücklichen Vater ins Meer. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn der Film nicht eine geradezu unglaubliche Fülle von Meeresgetier zeigen würde, deren Charakteristika so typisch herausgearbeitet wurden, dass man mit etwas Aufmerksamkeit alle Tierarten erkennen kann. In bekannter Disney-Manier wirkt selbst der Hammerhai sympathisch, zeigt eine Qualle eindrucksvolles Mienenspiel, ganz zu schweigen von dem Hauptdarsteller Nemo, einem Clownsfisch!
Viele Kinder und Jugendliche werden den Film sehen, sich mit Nemo freuen oder leiden. Doch dabei bleibt es nicht. Zum Weihnachtsfest erwacht bestimmt der dringende Wunsch: 'Ich will auch einen Nemo haben!' Warum denn nicht, ein Aquarium ist ein wunderbares und attraktives Stück Natur im Heim. "Doch gilt es Vorsorge zu treffen, damit aus dem innigen Wunsch kein böses Drama wird", erklärt Dr. Rolf Spangenberg, tierärztlicher Berater der ZZF-Onlinepraxis:
"Zunächst einmal, Clownsfische werden nachgezüchtet, sind daher nicht vom Aussterben bedroht und im Zoofachhandel zu erwerben. Aber - sie setzen ein Meerwasseraquarium voraus und das ist nichts für Kinder! Der hohe Preis wirkt bestimmt abschreckend und die aufwändige Technik will beherrscht werden. Das ist etwas für versierte Aquarianer, jedoch kein Kindergeschenk.
Aber ein schönes Süßwasseraquarium macht ebenfalls viel her. Nun stellen Sie dem Kind bitte kein fertig eingerichtetes Aquarium auf den Gabentisch. Wie bei einer Spielzeugeisenbahn sind der Aufbau und die Einrichtung schon eine echte Herausforderung und ein großer Spaß! Sie könnten also ein Becken plus die dazu passende Beleuchtung plus eine wirksame Filteranlage - all das benötigt man! - verschenken. In aller Ruhe kann das Aquarium dann eingerichtet werden. Nach der Bepflanzung muss es einige Wochen ruhen, bis die Fische sich darin wohlfühlen können.
Und was ist der häufigste Fehler? Das Becken wird zu klein gewählt - nach dem Motto 'Erst einmal abwarten, ob der Spaß überhaupt anhält, ehe man ein großes Aquarium erwirbt!' Es gibt mickrige 'Einsteigersets', die zwar nett aussehen, nach ein paar Wochen aber eine veralgte Schmutzbrühe mit trübseligen Fischen enthalten, die bald bauchoben schwimmen. Der Grund: Ein kleines Becken ist sehr schwer zu unterhalten. Es sollten mindestens 60 Liter sein, möglichst noch mehr. Je größer, desto einfacher ist die Pflege (das gilt übrigens auch für Gartenteiche)! Was bringt der niedrigere Preis, wenn das kleinere bald auf dem Sperrmüll landet. Lassen Sie sich vom Zoofachhändler gut beraten!
Vom virtuellen Filmstar Nemo einmal abgesehen, kann man mit echten Fischen aber nicht kuscheln und mit ihnen spielen. Der Spaß beschränkt sich aufs Füttern - bitte sparsam! - und vor allem der Beobachtung des faszinierenden Unterwasserlebens. Deshalb ist ein Aquarium auch für Kinder geeignet, die chronisch krank, ans Haus gefesselt oder vielleicht behindert sind.
Und nun die berechtigte Frage der Mutter, die schon viele kindliche Herzenswünsche erlebt und erlitten hat: 'Was passiert denn mit dem Aquarium, sobald unser Kleiner den Spaß daran verloren hat?' Die Antwort ist einfach: Richten Sie das Aquarium gleich so ein, dass es eine ästhetische Bereicherung Ihres Wohnzimmers wird. Dann geht es langsam in Ihren Besitz über, wenn der erste Kinderspaß abebbt. Haltung und Pflege der Fische - selbst im Urlaub! - sind heutzutage kein Problem, wenn das Becken nicht zu winzig gewählt wurde.
Und wenn ein Aquarium nicht infrage kommt? Dann legen Sie ein schönes Buch über tropische Fische auf den Gabentisch. Bald werden Ihnen Doktor-, Pinzetten-, Kugelfische und viele mehr mit lateinischen Namen um die Ohren flattern - denken Sie an die Dinosaurierwelle nach Jurassic-Park!"
Quelle: ZZF - © 1997 - 2009 Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V.
